Collage mit Bildern von Junghandwerkern in ihren Gastbetrieben
Verena Seidenspinner
Impressionen des Junghandwerkeraustausches 2026, der vom 12. bis 19. April in Danzig an der polnischen Ostseeküste stattgefunden hat.

Junghandwerker sammeln Erfahrung in Danzig

Mit Feuer und Spiritus gegen Spliss: Für Friseurin Lena Schwab war diese Technik völlig neu. Dennoch bewies sie Mut und ließ ihre polnische Kollegin mit einem getränkten Wattebausch und Feuerzeug an ihr eigenes Haar. Damit steht die 21-jährige Friseurin aus Arnstein sinnbildlich für alle Teilnehmenden des diesjährigen Junghandwerkeraustauschs, die Mitte April den Schritt ins Unbekannte wagten und ein Praktikum in Betrieben der Handwerkskammer Pommern in Danzig absolvierten.

Das Praktikum in Gastbetrieben des jeweiligen Handwerkskammerbezirks ist das Herzstück des Junghandwerkeraustausches, den die Handwerkskammern für Unterfranken, Caen und Pommern im jährlichen Wechsel organisieren. Junge Handwerkerinnen und Handwerker aus den Partnerregionen erhalten dabei die Möglichkeit, neue Arbeitstechniken und Produktionsweisen kennenzulernen – und vor allem Kolleginnen und Kollegen im Gastland.

Schreiner an einer Säge
Verena Seidenspinner

Neue Freundschaften

In diesem Jahr reisten Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker aus Unterfranken sowie aus Caen in Frankreich nach Danzig. Für das unterfränkische Handwerk nahmen unter anderem die Kfz-Mechatroniker Rai Roshan, Timo Baumann und Hannes Wirsing teil. In ihrem polnischen Gastbetrieb gewannen sie Einblicke in die gesamte Bandbreite ihres Berufs – vom klassischen Ölwechsel über den Kundenservice bis hin zum Austausch eines Zahnriemens. „Ich habe in meinem Austauschbetrieb tolle neue Leute kennengelernt“, notierte Rai Roshan in seinem Praktikumsbericht. Damit bringt er auf den Punkt, was den Junghandwerkeraustausch besonders macht: Er steht nicht nur für fachliche Weiterbildung, sondern auch für gelebte europäische Verständigung. Denn neben der Arbeit im Betrieb spielt der interkulturelle Austausch eine zentrale Rolle. Ob beim Eis essen und beim Spaziergang im Park mit den polnischen Kollegen – wie bei Friseurin Lena Schwab – oder bei der gemeinsamen Sprachanimation. Sie fand für die deutschen und französischen Teilnehmenden im Rahmen des Junghandwerkeraustausches an jedem Austauschabend statt. Dort wechselten nicht nur Vokabeln, sondern auch Zungenbrecher und Liedtexte auf Polnisch, Französisch und Deutsch die Seiten.

Gruppenbild mit Junghandwerkern und Betriebsinhabern in Kfz-Werkstatt
Verena Seidenspinner

Gewinn für viele Seiten

„Ich freue mich immer sehr, von den Erfahrungen der jungen Handwerkerinnen und Handwerker zu hören. So ein Austausch ist ein Gewinn für jeden Lebenslauf, jede Persönlichkeit und auch für die Betriebe, in denen sie zu Hause arbeiten“, betont Michael Bissert, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken. Neue Eindrücke bringen die Teilnehmenden reichlich mit nach Hause: etwa die Abläufe in der Produktion einer großen Bäckerei, die sich deutlich von denen einer kleinen Backstube unterscheiden, oder die noch stark handwerklich geprägte Arbeitsweise im polnischen Schreinerbetrieb. So zeigt der Junghandwerkeraustausch auch in diesem Jahr, wie wertvoll der Blick über die eigene Werkbank hinaus ist und bringt andere Arbeitsweisen, Kulturen und Menschen zusammen.

 

Junghandwerkeraustausch

Der Junghandwerkeraustausch wird bereits seit 1984 zwischen der Handwerkskammer für Unterfranken und ihrer Partnerkammer in Caen/Frankreich durchgeführt. Seit 2003 ist auch die Handwerkskammer Danzig/Polen beteiligt. Der Austausch findet im jährlichen Wechsel in einem der drei Partnerländer statt. Er wird vom deutsch-französischen und deutsch-polnischen Jugendwerk gefördert.